Über mich
Zu leben bedeutet für mich, das Leben vollständig zu leben, bewusst zu leben, wirklich lebendig zu sein. Das heißt, immer umfassender zu realisieren, was und wer ich in Wahrheit bin, mich und, untrennbar verbunden, die Welt immer tiefer mit Bewusstheit zu durchdringen und dem mit meinem Leben einen immer vollständigeren authentischen Ausdruck zu geben. Dieser Weg erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit für mein Dasein und mit Liebe zum Leben. Darin liegt mein Wunsch und mein Gefühl von Verantwortung begründet, dem Gedeihen dieses Lebens und der Menschen, auf die ich bezogen bin, nach besten Kräften zu dienen.
Geboren 1971 und aufgewachsen mit meinen Geschwistern bei Mainz, wo es meine Eltern, Flüchtlingskinder aus deutsch-baltischen Familien, hinverschlagen hatte, habe ich nach dem Abitur alleine eine knapp einjährige Reise gemacht, vor allem nach Indien, um die Welt in mich aufzunehmen. Meine große Offenheit für alles Menschliche in all seiner Verschiedenheit ist stark von dieser Erfahrung geprägt. Sie führte mich dazu, 1993 das Studium der Philosophie und der deutschen und indischen Sprachen und Literatur aufzunehmen. In meinem zu der Zeit noch beneidenswert freien Studium habe ich „das Leben im Geiste einmal umschifft“ (Kierkegaard), intellektuelles Selbstvertrauen und eine souveräne Urteilskraft erlangt. Ich habe gelernt, phänomenologisch wahrzunehmen und von dem her, wie die Dinge selbst sich zeigen, zu denken, die einzelnen Phänomene des Lebens in ihrem Kontext und im Zusammenhang des größeren Ganzen zu sehen, sowie Zusammenhänge zwischen ihnen herzustellen. Ich erlebe diese durch philosophische Schulung erworbenen Fähigkeiten als unglaublich hilfreich, um in unserer heutigen, von großen Veränderungen geprägten Zeit die Dinge gelassen und umsichtig einschätzen und beurteilen zu können. Da ich Philosophie immer als ein Fragen nach dem guten Leben angesehen habe, das sich über das eigene Leben Rechenschaft ablegt, halte ich die Philosophische Praxis für einen besonders geeigneten Ort, an dem die Philosophie dem Leben und der Welt gerade heute zu dienen vermag.
Für wie wertvoll ich heute auch erachte, was ich im Studium gelernt habe, so habe ich nach meinem Magisterabschluss 2000 in Greifswald in Philosophie und Germanistik doch ein Übergewicht auf der Ebene des Denkens empfunden, was mich dazu bewog, meinen Weg durch zunehmende Verkörperung des Bewusstseins und durch Versenkung in den grundlosen Grund des Denkens zu vertiefen. Von 2003 – 2005 lebte ich in Indien.
Zunächst lebte ich mit meiner Familie in Auroville, einer auf der Philosophie des indischen Yogi Sri Aurobindo begründeten, im Werden begriffenen Gemeinde im ländlichen Südindien. In Auroville habe ich von meiner ersten Yogalehrerin die erste Serie im Ashtanga-Yoga erlernt, die bis heute als Bewegungsritual zu meinem Leben gehört. 2007 habe ich die Spirit-Yoga-Lehrerausbildung bei Patricia Thielemann in Berlin abgeschlossen, 2013 die Ashtanga-Yoga-Lehrerausbildung bei Andrea Lutz in Berlin. Anschließend habe ich in Berlin und ab 2018 in Hamburg Yoga unterrichtet, unter anderem auch als Lehrer für Yoga-Philsophie in der Nivata-Yoga-Lehrerausbildung bei Katharina Middendorf in Berlin.
In Auroville habe ich auch meine ersten Erfahrungen mit Contact-Improvisation gemacht. Zwar war ich schon in meiner Jugend im Freundeskreis „der Tänzer“ – von dem Moment an, in dem ich den Schritt vom sich ausgeschlossen fühlenden, unsicheren, sehnsüchtigen Zaungast in den Innenraum der seligen Tänzer gewagt hatte – weil ich im Tanz die befreiende Erfahrung machte, dass im Tanz etwas Größeres als mein kleines Ich meinen Leib übernahm, dem ich mich hingeben und mit dem ich in einem kreativen Zusammenspiel alles, was mich bewegte, frei zum Ausdruck bringen konnte. Dieses Zusammenspiel zwischen dem wahren Selbst und dem kleinen Ich wird im Zen zur Illustration des Zen-Wegs in 10 Bildern als Entwicklung der Beziehung zwischen Ochse und Hirte dargestellt. Die ästhetische Erfahrung dieses Zusammenspiels im Tanz, sowohl als innere Beziehung des Tänzers zu sich selbst als auch als äußere Beziehung zwischen Tänzer und Zuschauer, hatte ich später in meiner Magisterarbeit anhand der Tanztrilogie „Zwischen Gehirn und Bewegung“ (Fra cervello e movimento) von Emio Greco reflektiert. Aber in der Contact-Improvisation in Auroville habe ich zum ersten Mal den Tanz beglückt als ein wundervolles lebendiges Symbol für ein neues aus der Wahrnehmung eines größeren Selbst spontan sich ereignendes verbundenes Miteinander erlebt. Seither habe ich durch viele Lehrer in vielen Workshops und intensivem Training ein tiefes Verständnis dieser Tanzform in mein Körperwissen integriert, so dass ich, nachdem die Fragen sich gemehrt hatten, warum ich nicht Lehrer bin, 2018 in Hamburg angefangen habe, Contact-Improvisation zu unterrichten.
In Auroville ist in unserem Zuhause auch mein erster meiner vier Söhne geboren. Seit je sind für mich nahe verbindliche Beziehungen – mit meiner Familie, meiner Frau und meinen Kindern, zwischen Freunden, Lehrer und Schüler, Therapeut und Klient – mit ihren Spiegelungen, Bestätigungen und Herausforderungen das maßgebliche Feld, in dem Wachstum und Reifung stattfinden.
Daher war es für mich auch natürlich, 2003 in ein Schüler-Verhältnis zu meinem Zen-Meister AMA Samy einzutreten, in dessen Zen-Meditationszentrum in den Bergen in Südindien ich in meiner Zeit in Indien auch für ein halbes Jahr lebte und wohin ich seither zur Vertiefung meines Zen-Trainings immer wieder für mehrmöchige Aufenthalte zurückkehre. Denn der Prozess der Erwachens zum wahren Selbst im Zen ist ein Beziehungsgeschehen und erfolgt durch Lernen, Bestätigung und Bewährung im Kontext von Lehrer, Schüler und Gemeinschaft. Zwar praktiziere ich Zen seit 1996. Doch hatte ich erst in AMA Samy meinen Zen-Lehrer gefunden, der ein tiefes Verständnis dessen, was Zen in seiner Eigentümlichkeit ausmacht, mit einer Weite und Freiheit des Denkens verbindet, die Zen anschlussfähig an andere Diskurse macht. „Zen allein ist nicht genug“ sagt er. Denn Menschsein hat viele Dimensionen: körperlich-seelisch-mental-spirituell. Für mich hat jeder Weg, unsere Lebendigkeit zu entfalten und in unsere volle Kraft und Würde als Mensch zu erwachsen, seine Perspektive, hat seine Berechtigung und Reichweite und damit auch seine Grenzen. An seinen Grenzen ruft er, wie die Einatmung die Ausatmung, zu ihrer Ergänzung und Vervollständigung eine andere Perspektive hervor, die einen anderen Schwerpunkt setzt.
So habe ich von 2012 – 2016 meine Ausbildung zum Gestalttherapeuten am Gestalt-Institut Hamburg (GIH) in Berlin und Hamburg absolviert, 2018 meine Erlaubnis, als Heilpraktiker für Psychotherapie tätig zu sein, erhalten und war anschließend in Hamburg als Gestalttherapeut tätig. Meine Sehnsucht war es bereits als Kind, in authentischen Beziehungen einander sichtbar zu werden und uns durch die darin bekommene Bestätigung gegenseitig zu helfen uns zu entfalten. Im Freundeskreis wurde ich als guter Zuhörer geschätzt, der nicht wertet aber viel sieht, gute Fragen stellt und Verbindungen herstellen kann. Doch erst durch mein Vatersein wurde mir wirklich bewusst, dass die Hindernisse, erwachsene, authentische Beziehungen zu leben und das, was wir wirklich sind, in Freiheit zu entfalten, wesentlich auf seelischer Ebene begründet liegen, darin, dass in frühen maßgeblichen Beziehungen wesentliche Bedürfnisse, wie etwa meine Sehnsucht nach authentischem mitfühlendem Kontakt, nicht hinreichend befriedigt werden konnten und wir aufgrund dessen zwar bewundernswerte innerseelische Fühl-, Denk- und Verhaltensmuster entwickelt haben, die uns damals halfen, mit unserer Situation möglichst gut umzugehen, die die Entfaltung unserer vollen Kraft als Erwachsenen heute jedoch unterschwellig behindern. Daher wurde es für mich essentiell, diese Muster als solche bewusst zu machen, um die darin gebundene Energie freisetzen zu können, sie in heute angemessenere Weisen des Umgangs mit der jeweiligen aktuellen lebensweltlichen Situation zu verwandeln.
Die Gestalttherapie faszinierte mich als eine konkrete Anwendung einer reifen phänomenologischen Betrachtungsweise auf ein innerpsychisches Ausdrucksgeschehen im Interesse der Bewusstwerdung unterschwellig darin wirksamer Niederschläge aus einem früheren zwischenmenschlichen Beziehungsgeschehen, sowie als ein kreativer Raum, um bewusste Spielräume in innerseelischen und damit korrespondierenden lebensweltlichen Situationen zu schaffen, die als zu eng oder verfahren oder festgefahren erlebt werden.
Neben meiner gestalttherapeutischen Praxis habe ich in zahlreichen Gruppen und Beziehungen Formen der Kommunikation wie Ehrliches Mitteilen nach Norbert Gopal Klein, den Dialog nach David Bohm und Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck kultiviert und damit ein Bewusstsein dafür erworben, wir wir im Gespräch nicht mit unseren Ego-gesteuerten Impulsen identifiziert, sondern mit einer geweiteten Wahrnehmung bei uns sowie den anderen präsent sein können.
Mir ist jedoch durch meine Praxis der Contact Improvisation sowie durch die Praxis des Ehrlichen Mitteilens zum einen immer bewusster geworden, dass die unsere Freiheit in unseren Beziehungen behindernden und damit auch unsere Verbundenheit in ihnen beeinträchtigenden Muster sich letztlich auf körperlicher Ebene als Verfestigungen und Einschränkungen in unserer Beweglichkeit und spontanen Resonanzfähigkeit sowie als chronische Spannungszustände in unserem Nervensystem niedergeschlagen haben. Zum anderen hat sich mir dabei zunehmend das Heilungspotenzial bewusster Berührung als Antwort auf diese körperlichen Niederschläge aufgedrängt. Schon während meines Studiums, als ich mich intensiv mit der Phänomenologie der Leiblichkeit auseinandergesetzt hatte, war ich völlig fasziniert davon, als ich erfuhr, dass es Heilmethoden gibt, die damit arbeiten, wie sich Manifestationen im körperlichen Ausdruck in der jeweiligen lebensweltlichen Erfahrung widerspiegeln und umgekehrt die lebensweltliche Erfahrung im jeweiligen körperlichen Ausdruck. Doch während meines Studiums war ich nicht an dem Punkt gewesen, mich diesen Heilmethoden näher zuzuwenden. Als ich jedoch 2023 im Rahmen eines Contact-Improvisation-Festivals die Arbeit von Sophie Kinkel kennengelernt hatte, habe ich noch im selben Jahr die 3 ½-jährige Ausbildung in Transformative Bodywork bei ihr begonnen und biete nun Sitzungen in dieser prozessorientierten Körperarbeit in Greifswald an.
Wenn mein ganzheitlicher, alle Ebenen menschlicher Existenz adressierender Ansatz zur Heilung unserer Entfremdung von unserer wahren Selbst-Natur und zum Erwachsen in unser volles Potenzial als wir selbst in unserer Lebendigkeit und Freiheit in Verbundenheit dein Interesse geweckt hat, freue ich mich, von dir zu hören und dich zu einem kostenfreien Erstgespräch in meiner Praxis für Körper-Seele-Geist zu begrüßen.
